Wie alt sind unsere Dörfer?

Wie alt sind unsere Dörfer und wo sind sie entstanden? In den letzten Jahren und Jahrzehnten mehrten sich die Tausendjahrfeiern vieler Dörfer in einem relativ eng eingrenzbaren Zeitraum. Warum diese Häufung, was war geschehen? Dieser Frage soll mit diesem Vortrag auf den Grund gegangen werden.

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Eine etwas poetische Sichtweise von unserem Döhrener Literaten Manfred Schulz:
Flanieren im Dorf

Dämmerung… Die Zeit zwischen Halbdunkel und Ganzdunkel. Die Holzbänke an den Holzwiesen geleert, noch einige Hunde,  Kleine an der Leine, die großen streunen auf modernden, klebrig lehmigen Pfaden, leicht dampfend vom nieselnden Regen. Früher schlichen hier Döhrener Arbeiter, heute im kühleren Klima alternde Paare; Liebe, Streicheleien nur noch den Hunden gewidmet. Enten hängen knarrend am Ufer in den Nischen rum und zupfen sich das Nachtgefieder.

Noch stehen träumend Menschen an bedeutender Stelle und lassen sich lässig auf der Mauer sitzend berauschen. Sandsteinpärchen, in wechselnden Beinstellungen. Irgendwie so in Reih und Glied sieht das verkrampft preußisch aus.

Der Uhrturm! Was für eine Verschwendung. Nur für Feuerschläuche gebaut. Ganz oben eine Terrasse mit Zinnen wie Schießscharten, eben Wilhelminische Zeit.

Ich flaniere weiter zur Leineinsel: Vom Arbeiter zum Millionär hat sich die Gegend gewandelt. Hier wohnt es sich nicht schlecht, aber hier sind sie von allen abgehängt. Das pralle Leben spielt sich wo anders ab. In den Labyrinthen der Häuser auf dem ehemaligen Landwehrfeld; zwischen Spielplatz und Marktgeschrei, puppigen Straßenmusikanten, Eiskaffee und Vanillekugeln. In den Ecken kuscheln, unter Blätterrascheln und knackenden Zweige. Das Intime sind die vielen Kinderwagen. Hier lebt es, das dörfliche Milieu, in einer rein künstlerisch veganen Kinderstubenordnung. Nebenbei steht der Schrank mit Herrn von Goethes zitronengelben Gedicht und beigestellt: Baedeckers  Reisen nach Italien. Umringt werde ich von kleinen Läden; auffallend viele Bäckereigeschäfte, Treffpunkt  intellektueller Kaffeeschlürfer.
Der Platz ist kein Lustgarten, aber so etwas wie reine Lebenslust zwischen Pommes und Prosecco.

Ganz in der Nähe gibt es einen großen See. Es ist schon zu spät, dorthin zu gehen und so zeichne ich in meinen Gedanken lange Mauern aus Sandstein, hinter Umrissen rumstehender Löwen und rundfahrenden Booten.

Meine Sehnsucht gehört aber diesem alten Platz, Namensgeber ein Rittergutsbesitzer, träume von Dirk und seiner Klampfe wenn er lässig zupft: „Junge komm bald wieder“

Manfred Schulz
im September 2017