Geschichte der Freien

Die Freien vor dem Nortwalde

“Die Freien vor dem Walde” oder auch “Freien vor dem Nordwalde”, so hießen durch lange Zeiten des Mittelalters die Bewohner des alten Amtes Ilten und einiger benachbarter Bezirke nach dem großen zusammenhängenden Waldungen, zwischen denen sie auf uralten Rodungen ihre Wohnsitze hatten. Der Name “Die Freien vor dem Walde” ist verschwunden, wie die Wälder größtenteils verschwunden sind, um derentwillen er gebraucht wurde. Aber der Name “Die Freien” ist geblieben, und weil Alten seit Jahrhunderten der Vorort und Gerichtsstätte der Freien gewesen ist, darum heißen sie gewöhnlich die “Freien von Ilten” oder die “Iltener Freien”. Das Land der Freien wird schlechtweg “das Freie” genannt und zwar das “große Freie” in seinem größeren östlichen und das “kleine Freie” in seinem kleinerem westlichen Teil. Von einer politischen Teilung wird später die Rede sein. Beide “Freie”  waren durch die Feldmarken von Kirchrode, Bemerode und Wülferode auch schon räumlich getrennt. Durch die Namensendung “rode” kann angenommen werden, dass die drei in das Gebiet der Freien eingesprengten Dörfer, spätere Gründungen waren.

Die Dörfer des Großen Freien

Die Dörfer des großen Freien waren u.a.: Ilten, Bilm, Ahlten, Höver, Anderten, Lehrte, Sehnde, Gerstenberg, Rethmar, Evern, Dolgen Haimar, Harber, kl. Lobke und das kleine Freie die Dörfer Döhren, Wülfel und Laatzen mit ihren Feldmarken, Wald und Moorbesitzungen. Die Freien betrieben in erster Linie Weide- und Ackerwirtschaft und ernährten sich von bäuerlichen Erzeugnissen. Die Weide- und Ackerflächen waren zum Beginn des 16. Jh. zunächst dichte Wälder. “Von Misburg bis Peine konnte ein Eichhörnchen von Zweig zu Zweig springen, ohne die Erde berühren zu müssen”. Die Freien wohnten auf großen “Waldblößen”, also Redeflächen, nach Kirchspielen gesondert.

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Die Fahne der Freien 1863, bestickt noch mit den Namen der Dörfer Döhren, Wülfel, Laatzen (Replik)

Die Freien im Mittelalter

Die mittelalterliche Geschichte der Freien liegt im Dunkel der Geschichte. Eine Vermutung, dass die Waldgebiete von Karl d. Großen an treue Gefolgsleute zu Lehen gegeben wurden und mit  gewissen Rechten “Freiheiten” ausgestattet waren, liest sich zwar romantisch , ist aber (noch) nicht historisch belegt.

Mit Ausnahme des Hauses zu Rethmar gab es weder Städte noch Klöster oder feste Burgen um die man sich streiten könnte, bzw. Ländereien, die Gegenstand von Erb- oder Lehensverträgen hätten sein können. Diese Unbedeutsamkeit und die ländliche Abgeschiedenheit kann dazu beigetragen haben, dass die uralten Freiheitsrechte der “Freien vor dem Walde” erhalten geblieben sind, während viele “altsächsischen Gemeinfreiheiten” in anderen Regionen verloren gingen, haben sich die “Freien vor dem Walde”, auch dank der Abgeschlossenheit und Unscheinbarkeit ihres waldumfriedeten Landes, ihre Freiheiten erhalten können.

Rechte der Freien

  • Das Recht der freien Veräußerung des Grundbesitzes im Ganzen oder Teilweise.
  • Eigene Gerichtsbarkeit: Etwa zweimal im Jahr in der Frühlings- und Herbstzeit fand das “Freiending” in Ilten statt. Wobei Verfahren der Zivilgerichtsbarkeit und einfache Fälle des Strafgerichts verhandelt wurden. Es stand unter dem Vorsitz des “Dingern” und hatte Beisitzer (Schöffen). Die Parteien hatten ihre “Vospraken” (Anwälte) und “Achtsleute”. Der Amtsschreiber führte das Protokoll. “Dingreve” und Beisitzer wurden aus den Freien gewählt.
  • Die freie Jagd: Die Jagdfreiheit auf hohes und niederes Wild hat sich noch bis in die jüngste Zeit erhalten. Das Jagdrecht beinhaltete auch Verpflichtungen, so musste von einem erlegten Hirsch eine Keule an den Amtsvogt für einen geringen Preis abgeliefert werden.
  • Die Gewerbefreiheit: Dieses Recht wird auch aus den mittelalterlichen Freiheiten hergeleitet worden sein. Es wird ihnen 1831 ein bereits zustehendes Recht anerkannt, Handwerker aufzunehmen und Handel zu treiben. Zum Leidwesen der Beamten und Geistlichen war auch die Schankfreiheit, sogar im eigenen Hause, ein solches Recht.
  • Es gab auch Freiheiten, die mehr symbolischen Charakter hatten. So ist überliefert, dass die Bräute bei ihrer Hochzeit die Haare offen tragen durften.

Pflichten der Freien

Verpflichtung zum Kriegsdienst -Heerbannpflicht-: Jeder freie Mann hat dem Heerbann zu folgen, so schrieben Brauch und Recht es in der Carolinger Zeit vor. Das Aufgebot der Freien hieß “Ausschuss”. Die Kosten des Ausschusses hatten die Freien zu tragen. Das “Fähnlein” hatte 2 Musketiere und einen “Pikender”. Uniformen erhielten sie erst nach dem dreissigjährigen Krieg: Die Uniform war rot mit violetten Aufschlägen, dazu wurden Kniehosen mit niedrigen Schuhen und flache Hüte getragen. Zum Freiending wurde eine Musterung der “Ausschösser” abgehalten. Das Kleine Freie (s.u.) schied 1671 aus dem Ausschuss aus.

Abgaben und Lasten der Freien

  • Eine uralte Abgabe war der Königszins: Die Abgabe war sehr gering. Er soll schon von Karl dem Großen den freien Sachsen auferlegt worden sein.
  • Lieferung von Königshafer und Königsgerste
  • Von weiteren Abgaben waren sie bis etwa 1720 befreit
  • Sie wurden jedoch zu gelegentlich Hand- und Spanndiensten herangezogen.

Die Bezeichnung “Freie”

  • Der Name “Freien vor dem Walde” ist seit dem Mittelalter nachweisbar “liberi prope nemus”. Der Zeitpunkt der Namensgebung liegt im Dunkeln. Die Freien erzählen sich eine Sage, deren Überprüfung jedoch nicht standhält: Freien-Sage
  • Das Landvolk war im Mittelalter in zwei scharf getrennte Gruppen eingeteilt: Die freien Bauern und die Unfreien oder Hörigen. Nach sächsischer Rechtsauffassung richtete sich nach dem Stande des Besitzers auch die rechtliche Natur seiner Hufe.
  • Die Freien besaßen “Freies Gut”, in den Kaufbriefen war “Echtes Freiengut mit aller Gerechtigkeit” vermerkt, sie waren freie Bauern und lebten in Freidörfern. Im Laufe der Jahrhunderte ging der, bei allen deutschen Stämmen verbreitete,  “Stand der Gemeinfreien” aus verschiedenen Gründen verloren. Die Zeiten der absoluten Fürstengewalt des 17. und 18. Jh. haben dann die letzten Überreste der uralten Gemeinfreiheit ausgelöscht. Die Bezeichnung “Freie” leitet sich also von den “altsächsischen Gemeinfreiheiten” ab.

Das Wappen der Freien

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  • Im Jahr 1897 bekundete der Heraldische Verein ZUM KLEEBLATT in seiner Fachzeitschrift ein entsprechendes Siegel von 1492, das sich Ende des 19. Jahrhunderts im Staatsarchiv in Hannover befand. Der Verein hat damals beschlossen, nach dem Siegel eine mustergültige Zeichnung anfertigen zu lassen, damit in Zukunft das Wappen der Freien in richtiger Form dargestellt wird. Das Wappen des ist auch heute noch an einigen Häusern in den Dörfern des Großen Freien zu finden. Da Döhren, Wülfel und Laatzen Dörfer des Großen Freien waren, haben wir das Wappen in unser Vereins-Logo übernommen
  • Das Wappen der Freien besteht üblicherweise aus den standard-mäßig verwendeten Elementen. Herausragendes Merkmal ist der aufrecht stehende, blaubewehrte und -bezungte Löwe im roten Feld:

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Die politische Teilung des Freien

Durch Gebietstausch und verschiedene -abtretungen der Vogteien Kirchrode (mit der Dörfern Bemerode und Wülferode) und Koldingen,  wurden die Dörfer des kleinen Freien -Döhren, Wülfel und Laatzen-, erst halbinselartig und schließlich ganz vom Großen Freien abgetrennt. Herzog Georg Wilhelm gab das kleine Freie (die sog. Braunschweiger Gohe) am 22. Juni 1671 an Herzog Johann Friedrich.  Deshalb kann als Geburtsstunde des kleinen Freien (comitia minor liberorum juxta) der 22. Juni 1671 angesehen werden.

Das Kleine Freie

Die freien Bauern dieser drei Dörfer erhielten vom Herzog Georg Wilhelm die Versicherung “daß sie vom Herzoge Johann Friedrich allen Fürstl.- Landesväterlichen Schutz, Hulde und Gnade, auch daß sie von derselben bei ihren bis hiehin exercirlich wohl hergebrachten Gerechtigkeit und Immunitäten werden, sich zu getrösten”; dagegen versicherte ihnen der neue Landesherr, daß sie bei gleich und Recht, auf ihren wohl hergebrachten Gerechtigkeit, sofern sie sich, als gehorsamen Unterthanen wohl anstehet, bezeigen würden, gelassen werden sollten”.

Das Amt Calenberg mit dem Großen und Kleinem Freien
Das Amt Calenberg mit dem Großen und Kleinem Freien

Das historische Kleine Freie ist nun die Gemeinschaft der Dörfer in Döhren, Wülfel und Laatzen; das Gebiet dieser drei ehemaligen Dörfer. Das heutige Kleine Freie ist die Gemeinschaft der Menschen, die das historische Leben und Erleben der Zeiten in den Herzen und Köpfen bewahren und es nicht im “schwarzen Loch” des Vergessens verschwinden lassen möchten. Wenn Sie dazu beitragen möchten, sind Sie bei uns herzlich willkommen.

  • In einer Bittschrift, welche die drei Dörfer am 29. Juni 1671 einreichten, bekannten sie sich zu der Pflicht, Kriegsdienste auf eigene Kosten zu leisten, auch ihre Berechtigung zur freien Jagd wurde ausdrücklich festgestellt.
  • Trotzdem wurden ihre Freiheiten später in Zweifel gezogen und erst am 9. Oktober 1826 wieder in vollem Maße anerkannt.

Verwandte Themen:

Die Rutenberg auf dem Hause Rethmar

Ein Adelsgeschlecht hat während des Mittelalters und bis ins 17. Jahrhundert hinein im großen Freien seinen Sitz gehabt, welches zwar den Freien nicht angehörte, aber als höchste Holzerben im Steinwälder Walde und als jagdberechtigt durchs ganz Freie mit ihnen in naher Berührung stand und wegen seines Reichtums an Besitz und Einfluss in der Geschichte unserer Landschaft nicht übergangen werden darf.

Es ist die Familie derer von Rutenberg oder Rautenberg auf Rethmar. Sie gehörten ursprünglich nicht zum hohen Adel, sondern waren Ministerialen, die u.a. durch den Waffendienst zu Macht und Reichtum kamen. Der erste uns bekannt gewordene Rutenberg, Basilius, wird in einer Urkunde des Bischofs Adelog von 1183 erwähnt. Nach einer wechselvollen Geschichte über mehrere Jahrhunderte kaufte 1987 die Familie Freiherr von Wackerbarth Teile des Schlosses und formten daraus ein Schlossensemble. Mehr Info Schloss Rethmar

Die Reformation

  • Die beiden Freien waren im Vertrag zu Minden 1512 lüneburgisch geworden. Regiert hat Herzog Ernst der Bekenner, er gab der Einführung der Lutherischen Lehre die gesetzliche Grundlage. Eine Visitation 1543 der Freien hinterließ für Döhren folgenden Eintrag: Pastor Christians Hoher mediocriter doctus (mittelmäßig gescheit!).
  • Die Freien im dreissigjährigen Kriege (67)
  • Nach der Franzosenzeit (90)
  • Die Beamten der Freien (98)

Wird ergänzt…

Quellen:

  • G. Weber: Die Freien bei Hannover, 1898
  • Arndt Fritzemeier: Die Korporation der Freien im Amt Ilten bei Hannover, 1994
  • Margarete Werner: Die Register der Amtsvogtei Ilten 1492-1752, 1970
  • H. Wanner der Aeltere: Die Dörfer Döhren, Wülfel Laatzen, 1911
  • Hannoversche Geschichtsblätter
  • Zusammenfassung: Bruno Hanne