Manfred Schulz

Bilder aus Döhren von Manfred Schulz

März 2016

Schulangang 1953

Schulanfang 1953
Der schwere Ranzen,
Die süße Tüte.

Wie fern noch…
Der strenge Blick
Vom Mann, der Frau!
Meine Lehrer.

Im Zimmer
Die Tafel,
Das Pult
Der Stuhl…
Noch nicht schreiben,
Noch nicht lesen.

Im Schattenlicht
Die stolzen Eltern.
Wie jung
War meine Welt.
Manfred Schulz

Februar 2016

Wiesenweg Wülfeler Masch
Wiesenweg Wülfeler Masch

 

Wintertag in Döhren

Wintertag in Döhren

Oktober 2015

Zum Totengedenktag
Zum Totengedenktag


 

August 2015

Kennen Sie Haiku? 

Haiku (dt. scherzhafter Vers) ist eine traditionelle japanische Gedichtform, die heute weltweit verbreitet ist. Das Haiku gilt als die kürzeste Gedichtform der Welt.
Japanische Haiku bestehen meistens aus drei Wortgruppen von 5 – 7 – 5 Lauteinheiten Unverzichtbarer Bestandteil von Haiku sind Konkretheit und der Bezug auf die Gegenwart. Im Text wird nicht alles gesagt, Gefühle werden nur selten benannt. Sie sollen sich erst durch die aufgeführten konkreten Dinge und den Zusammenhang erschließen.
Im Deutschen werden Haiku meist dreizeilig geschrieben. Bis um die Jahrtausendwende galt zudem die Vorgabe von 5-7-5 Silben. Davon haben sich allerdings die meisten deutschsprachigen Reimer entfernt. Moderne Haiku-Schulen hinterfragen weltweit zudem nicht nur die traditionellen Formen, sondern auch manche Regeln der Textgestaltung und versuchen, neue Wege zu gehen.
Ein großer Haiku-Dichter war Kobayashi Issa. Er brach zuweilen mit der konventionellen 5-7-5-Form. Seinen Werken scheint eine tiefe Liebe zu Mensch und Kreatur zugrunde zu liegen, die oft mit Humor gewürzt war:
Auf dem Seerosenblatt der Frosch

aber was macht er

für ein Gesicht?
Quelle: Wikipedia

Noch mehr Haiku von Manfred Schulz:

Der alte Jammer ist ausgestorben.
Seine Häuser haben überlebt
und ich…

Die vier Ansichten vom Maschsee
Drei sind in diesen Tagen nur benebelt
aber sieh: Eine feiert heiter
Die graue Mülltonne
Füllt sie der Rest
Vom vollen Einkaufswagen

Die Nacht wird länger
Der Tag wird kürzer
ich aber auch


Juli 2015

In Döhrens Mitte

In Döhrens Mitte ist viel los,
dort trifft sich täglich klein und groß,
es wird gespielt, geklönt, gelacht
und über manches auch mal nachgedacht,
dort werden Reden ab und zu gehalten,
politisiert, meist mit den Alten,
wird viel gefeiert und geschwatzt,
geschwoft manchmal beim besten Jazz.
Auf langen Bänken aus puren Stein,
sitzen die Döhrener beim Bier und Wein,
beim Eismann ist meist großer Trubel,
weil alle kaufen dort ne´ eine Kugel,
reicht das noch nicht, sitzen die Zecher
am runden Tisch mit einen Becher.

Freitags ist Markt auf diesen Flecken,
dann kommen sie aus allen Ecken,
mit viel Geschrei und groß Hallo,
es wird geschaut und man ist froh,
wenn Einer – mit viel Bauernlist
anbietet Obst, weil‘s billiger ist.
Sonntag beim Bäcker, schon früh oder später,
kommen merkwürdig viele Väter,
sie ruhig in der Schlange stehen,
danach mit Hund und Tüte heimwärts gehen.

Ja hier, am diesem Ort geht’s echt hoch her,
Freundschaften knüpfen ist gar nicht schwer,
manch einer findet dort auch seinen Schatz,
auf uns’rem schönen Fiedelerplatz!!

Manfred Schulz

Gestern

Beim Telefonieren haben wir
Uns keine Hände gegeben,
Aber unsere Stimmen
Waren uns sehr nah
Und deine warmen Lippen
Sprachen verständliche Worte;
Ruhelose – und
Ich frage mich:
Hattest Du ein Lächeln
Bei der Trennung.

Juni 2015

Gedanken am Junimorgen

Nachts stillhalten! Nicht bemühen,
Aufwachen: Träume kommen und ziehen
Aus dem Licht, dem frühen…
Träumt man jung, will man sie haben,
Träumt man alt, entbehren diese Gaben.
Träumt man nicht kommt kein Licht,
Keine Sonne wärmt das Gesicht.

Steh auf, beginne zu singen
Und niemand wird dich zwingen,
Auf die Liebe zu verzichten…
Über sie kann man dichten,
Wenn der Mensch sie dort braucht,
Wo die Welt stinkt und raucht.

Manfred Schulz

Regentropfen

löwenzahn-und-pusteblumen_1


Mai 2015

Südwind

In schwachen Schwingungen schlich
Der Abendwind durch die Chaussee
Vorbei am Turme Döhrens eilend
Durch die Riede.

Drei Boote schwanken
Segelnd auf dem See
Hinter der Masch. Ihr Kurs
Ist eine Ladung Träume.

Manfred Schulz


April 2015

Gemeinschaftstoiletten im Mädchenheim

Wie immer nachts schlurfende
Schritte im Mädchenheim.
Auf dem Gang ist Totenstille. Meistens
Werden es gefühlte Grenzfälle:
Dem vorbei gehenden
Etwas sagen oder zu Schweigen.

Auf gemeinsamen Toiletten
Sitzende sind geduldig;
Die ankommenden treiben
Und entscheiden sich
wegen der Fahnen
Nicht weiter durchzuhalten.


März 2015

Die Wächter vom Döhrener Turm

Es war stockdunkle Nacht. Sie bedeckte mit einer Stille die Felder vor Hannover. Ein dicker runder Wartturm ragte zwischen den Bäumen in die Höhe, besetzt mit neun Wachmännern. Der kalte Westwind blies in die Arme uralter Eichen und ihr Knarren stöhnte aus der Finsternis.

Die Wachleute im Turm hatten vorsichtshalber von innen alles verrammelt, die Schießscharten verschlossen und der wachhabende Bürgerkorporal Düvel lag oben im Turm und beobachtete die sandige Chaussee in Richtung Döhren. Er hörte trotz der bierseligen Gespräche, die im schwachen Laternenlicht aus der Schänke hallten, jenes dumpfe Geräusch aus der Ferne, stieg die Leiter hinab um die Wachleute im Turm zu warnen.
Aus der Dunkelheit brachten braunschweigische Landsknechte gefälltes Holz herbei und stapelten es rings um den Turm bis an die Schießscharten:
Wohlan ihr Wächter, lasst uns gefasst sein! Wir werden den Turm so lange es uns vergönnt ist mit der gebotenen hannoverschen Pflicht verteidigen, der Feind steht vor diesen Turm und wartet nur auf das Morgenlicht um uns hier zu bekämpfen.
Wer von uns traut sich zu, die Bürger in Hannover zu warnen sprach der Schmied Scheffel. Er war in dieser Nacht zur Landwehr eingeteilt, draußen umringt von hunderten braunschweigischen Söldnern.

Den Landwehrgraben haben sie noch nicht überschritten sprach Düvel , ich habe hier das Kommando und darf den Turm nicht verlassen, aber von euch müssen sich zwei, auf die das Los fällt, noch in dieser Dunkelheit auf den Weg nach Hannover machen. Schleicht am Bach entlang bis an die Leine. Der eine versucht auf alten Holzwegen in die Stadt zu gelangen, der andere über die Döhrener Brücke durch sumpfiges Gebiet zum kleinen Dorf Ricklingen gelangen um im roten Turm die Soldaten zu warnen. Wenn nur einer durchkommt wird Hannover gerettet.
Der alte Düvel schnitt von einer langen Weidenrute acht kurze Stücke ab, wobei er auf zweien ein Kreuz einkerbte. Die Wachleute hatten sich um einen Tisch gesetzt und jeder zog ein Los aus dem hingeworfenen kleinen Hölzern.
Haltet das Los in die Höhe, befahl der alte Korporal und sah, das die zwei Lose mit dem Kreuz auf Hans Alves und Georg Withusen gefallen waren. Macht euch bereit sprach Düvel, nehmt nur leichte Waffen mit. Von euch hängt es ab das Hannover gewarnt wird.

Die ausgelosten zwei Wächter wurden vorsichtig und lautlos mit einem Seil vom Turm herunter gelassen. Auf der dem Feind zu gewandten Seite sprachen einige der Männer laut einen Bibelvers um die braunschweigischen Schergen abzulenken.
Unbemerkt kamen beide in der Dunkelheit auf dem Boden an und schlichen mitten im Bach in die Finsternis fort. Nach einer geraumen Strecke machten sie eine Pause und horchten in die Stille, ob ihnen Soldaten am Bache gefolgt waren.
Hier sind wir sicherer als im Turm bemerkte der Schlachter Alves, die Kameraden sind in einer Rattenfalle. Ich glaube aber, im Turm mit seinen dicken Wehrmauern wären wir sicherer aufgehoben sprach Withusen, hier kann überall der Tod auf uns lauern.

An der Leine war tiefste Stille. Plötzlich bemerkten sie vom Turm her einen Feuerschein. Das Geschrei und Gejohle wurden immer lauter und sie überlegten, ob beide nicht zurücklaufen und den Kameraden im Turm helfen sollten. Was können wir zwei gegen vielleicht hunderte von Söldnern ausrichten, wir müssen uns jetzt trennen
sprach Withusen, ich schleiche mich entlang an der Leine nach Hannover und du Alves versuchst durch das Dornengestrüpp nach Döhren zu gelangen.

F.H. Koken_Radierung. Döhrener Turm
F.H. Koken_Radierung. Döhrener Turm

Mutig, aber vor-sichtig lief er den Leinepfad in Richtung Stadt entlang und be-merkte in der Nähe ein Holz-feuer, an dem feindliche Söldner lagerten. Es half nichts, er musste den uralten Holzweg an der Leine verlassen um Hannover zu erreichen. Ich will die Chaussee nach Hildesheim erreichen um danach durch die sumpfige Bult zum hannoverschen Stadttor zu gelangen wo mir keine Gefahr mehr droht.

Wer da? Eine tiefe Stimme rief aus der Dunkelheit ihn an und eine Lanze schnitt Withusen in die Schulter. Er fiel in den tiefen Straßengraben der zur Entwässerung des Geländes angelegt war. Röchelnd kroch er dem Feldjäger Lüder entgegen der ihn erkannte und aus dem Graben half.

Sie blickten beide zurück zum Döhrener Wartturm, der fern an dieser hier schnurgeraden Hildesheimer Heerstraße von einer Höllenglut umgeben war. Schwarzer Rauch zog über die Wipfel des Waldes in östliche Richtung wie Gewitterwolken dahin.

Zur Säule erstarrt stand Georg Withusen auf der Allee. Es war, als vernahm er die Todesschreie der sieben Kameraden aus den glühenden Turmmauern, sprach ein Vaterunser und schlug drei Kreuze Richtung Döhren. Mit letzter Kraft erreichte er das Stadttor von Hannover.

In Legenden wurden die sieben verbrannten Wächter später auch Spartaner genannt. An sie erinnert der Siebenmännerstein in der Ruine der Aegidienkirche und in Döhren die Spartanerstraße.

Manfred Schulz


Schulanfang 1953

Manfred Schulz beim Schulanfang 1953
Manfred Schulz beim Schulanfang 1953

Der schwere Ranzen,
Die süße Tüte…
Später
Der strenge Blick
Vom Mann, der Frau!
Wie fern noch
Meine Lehrer.

Im Zimmer:
Die Tafel
Das Pult
Der Stuhl.
Noch nicht schreiben,
Noch nicht lesen.

Im Schattenlicht
Die stolzen Eltern.
Wie jung
War meine Welt.

Manfred Schulz


 

Heimat

Wo wir jetzt Leben
Ist nicht Wert zu beschreiben,
Sondern die Tage
Wo wir gelebt haben
Ist eine Heimat:
Ist Freude
Ist Trauer
Ist weiter erzählen

Manfred Schulz


Februar 2015

Es bleibt alles rund

Steh ich im Freien
Ist Döhren eigentlich ein Viereck…
Und im Jammer wächst
Mein runder Apfelbaum
bei Anton, halbverfault
Über einen Staketenzaun.

Schneite es auch damals weiter
Blüten im frühen Jahr…

Drehte Bruno früher da…
Auf dem Fiedeler Platz
Seine Runde um runde
Pettikoats, hat er geküßt
Knallrot und rund,
Einen schönen Mädchenmund.

Alles drehte sich so bunt…
Nur der Döhrener Turm
Drehte sich nicht mehr:
Der war schon immer
Dick und rund.

Ausstellung Personalunion-002_1

Abgetragene Wolle

Alles ist vom Werk kaputt,
Überall liegt hier nur Schutt.
Zwischen Balken, Treppenstiegen,
Eisenträgerstapel liegen.
Abrisskugel: Steine fallen,
Plattgelegt die großen Hallen,
Riesengroß so manches Stück,
Spekulanten suchen hier ihr Glück.

Reingelegt mit falschen Worten:
Neue Heimat: Diese Sorten,
Werden allen es schon zeigen,
Wenn hier neue Preise steigen.
Manfred Schulz


Januar 2015

  • Manfreds Verhältnis mit der Masch!

Für Sunnhild:

Erneuerung

Erneuerung, ein Gedicht von Manfred Schulz
Zum Vergrößern, bitte ins Bild klicken

Heimatverbunden

Die Heimat ist
Ein Spiegelbild
Aus der Natur,
Dem Land
Und ihren Menschen.
Sie sind vereint im Bund
Der alten Zeiten
In mitgefühlten Herzen…

Manfred Schulz

DaDa im Neuen Jahr

Ich sende aus Döhren DaDa Bruno, Sunnhild und der Pfaff einen verschwitterten intelektuellen Gruss und träume mit den Dreien von einer Viererkahnfahrt DaDa zum Wehr. Keiner weiß davon, aber Träume zum Neuen Jahr? Träume, wie der Kahn DaDa durch den Wasserschaum schnellt, wie die Gischt DaDa in ein Neues Jahr schießt, zwischen all dem Gebrüll DaDa ringsum in der Welt träume ich, wie die Böller DaDa zerplatzen und staune immer wieder, das DaDa die Stille in der Dunkelheit gewinnt, staune, wie DaDa der eiserne Günther auf der Historischen Brücke DaDa die zerfallenden Schaumkissen zählt und… Der Kahn DaDa von Bruno und Sunnhild auf Kurs gehalten wird, die Pfaff DaDa fiel plötzlich raus, aber gut so… Sie wurde wieder DaDa ans Ufer gezogen, was würde sie mir fehlen wenn sie im Neuen Jahr DaDa nicht mehr die DaDa-Schriften korrigieren könnte.

Die ganze Welt DaDa denkt an Revolutionen nur der kleine Sittich DaDa krächzt seine Arie:
Sei bedankt Altes Jahr, und begrüßt das Neue!
Da läuft das Glücksschwein DaDa mir über den Weg und kein Kleeblatt ruft DaDa mich an.

Viele Grüße für das Neue Jahr grunzt DaDa das glückliche Schwein!
Manfred Schulz


Dezember 2014

Gedicht zum Dezember

Manfreds kritischer Blick auf Weihnachten 2014!


November 2014

Die letzten Blätter rascheln…

Die letzten Blätter rascheln
Über schwarzen Basalt,
Der erste Frost greift:
Streicht weiße Tarnfarbe,
Tage- und Nächtelang.
Über den geleerten Bäumen
Hängt der graue
Himmel sich auf,
Schlürfen seine Winterzungen
Die Wärme aus der Rinde.

Östliche Horizonte
Hauchen gefrierende Reife.
Merkwürdig dieser bleierne Schein!
Das erste flackernde Licht
Sucht seinen Gesang.
Heute
Will es einfach nicht
Am Kranz für mich aufleuchten.
Alte Erinnerungen wärmen mich…

 Manfred Schulz

Der Wochenmarkt heute in Döhren ist lebendig und menschenfroh. Dafür habe ich ein Gedicht ausgesucht:

Marktplatz

Hippelige Stände,
Lächelnde Frauen,
Prüfende Blicke,
Dem Marktmann vertrauen.

Wege voll Menschen:
Schwarz, blond, ergraut.
Klirrende Münzen
Für Wurzeln mit Kraut.

Die Zeit ist vergänglich,
Der Beutel gefüllt.
Zuletzt noch bei Nico
Den Bierdurst gestillt.

Manfred Schulz

Ab wägen

Die fetten Tage sind
Schon überspannt wo
Die mageren noch aufblasen

Die fetten Tage sind
Schon überzählig wo
Die mageren noch zählen

Die fetten Tage sind
Schon gezählt wo
Die mageren noch abzählen

Die fetten Tage sind
Schon verkommen wo
Die mageren noch kommen

Kurz um

Die Fetten vom Tage sind
Schon umgekommen wo
Die Mageren wieder kommen

Manfred Schulz

Eine kleine Schwitterei!

…und ist das Leben

Auch kaputt, was bleibt
Ist nur ihr Schutt,
Und ist zum Schluss
Auch das vorbei,
Bleibt uns die Politik,
Ihr wildes Geschrei…

Manfred Schulz

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